Heul-Höcke auf Mimimi-Tour in den Ost-Provinzen

Uups, he did it again …


Und, um es gleich mal vorwegzunehmen, nein, er hat nicht den Holocaust geleugnet, aber er hat seiner Partei dennoch ganz gehörig ans bürgerlich-konservative Standbein gepinkelt.

Im Rahmen einer Veranstaltung der Jugendorganisation „Junge Alternative“ hielt Björn Höcke, seines Zeichens rechtsauslegendes Enfant Terrible in der parlamentarischen Parteienlandschaft, im Dresdner Ballhaus, vor geschätzt 500 Anwesenden, eine omnimedieal beachtete Rede.

Dabei ging es grob zusammengefasst um Höckes Version eines deutschen „Schuld-Kults“, um seine Interpretation einer kollektiven deutschen Identität und darum, dass er sich „unser Deutschland“ Schritt für Schritt „zurückholen“ wolle.
Von wem auch immer.

Insgesamt offenbarte der Vortrag keine sonderlich neuen Facetten an Rechtsaußen-Denke, und im Grunde wäre dergleichen für die AfD eine willkommene Gelegenheit, um sich als konservative Partei vom rechten Rand der Parteienlandschaft abzusetzen. Doch leider hat das Ganze einen kleinen Haken:
Höcke ist kein NPD-Mitglied, sondern in seiner Rolle als Thüringer Fraktionsvorsitzender sogar prominenter Funktionär der AfD. Das macht die Sache für seine Partei, zumal im Vorwahlkampf, prekär.

Einen Ausschnitt der Rede gibt es hier nachzulesen:
https://andreaskemper.org/2017/01/18/hoecke-daemliche-erinnerungskultur/

Die komplette Rede hier:
https://paste.ee/r/yOXkh

Ein Video-Ausschnitt der Rede findet sich hier:

Die gesamte Rede hier:

Darum verwundert es nun wenig, dass sich Teile der Parteispitze bereits von Höckes Positionen distanzierten, ja, ihn sogar öffentlich als „Belastung für die Partei“ beschreiben.

Der Druck ist groß. Die Nerven liegen blank.

Dazu kam mir unlängst der Verdacht, dass Höcke nun, da er nicht als Kandidat zur Bundestagswahl aufgestellt wird, vielleicht gar kein gesteigertes Interesse an einem diesbezüglichen AfD-Erfolg hat. Denn immerhin würde dies ja seinen parteiinternen Machtradius beschränken.
Und es erinnerte mich ein bisschen daran, was damals in der Piratenpartei los war:
Der LV Berlin sabotierte angeblich unter Lauer, Höffinghoff und Delius aus parteipolitischem Kalkül den Bundestagswahlkampf: dies vermutlich deshalb, weil eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten ihre Macht als Provinzfürsten tangiert hätte. Vielleicht geht es ja Höcke nun ähnlich?

Immerhin wurde er noch im November 2016 in diversen Medien als Mitglied eines möglichen Spitzenteams für die Bundestagswahl besprochen, worüber es zu parteiinternen Streitigkeiten kam.

Am 14. Januar durften wir dann sehr viel kleinlauter im Rahmen eines Höcke-Interviews in der Thüringische Landeszeitung vernehmen, dass Höcke gar nicht zur Bundestagswahl aufgestellt wird.

– Da macht man sich so seine Gedanken, zumal es hier ja jemanden betrifft, der, wie er in seiner aktuellen Rede selber äußerte, auf einen totalen..  „vollständigen Sieg“ abzielt.

„Ich weise dieser Partei einen langen und entbehrungsreichen Weg, aber es ist der einzige Weg, der zu einem vollständigen Sieg führt, und dieses Land braucht einen vollständigen Sieg der Afd.“

Handelt es sich also vielleicht um einen abgewatschten Heul-Höcke auf Mimimi-Tour in den Ost-Provinzen?

Dieser Frage nachzugehen, fände ich interessant, doch im Trubel sich überschlagenden AfD-Bashings findet sich dafür kein Raum. Zu steil ist die Vorlage Höckes, um sie nicht zum Generalangriff gegen den verhassten politischen Mitbewerber zu instrumentalisieren. Und zu vortrefflich die Gelegenheit, um nicht die Gunst der Stunde zu nutzen, sich über lautstarkes AfD-Beschimpfen etwas Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Hier verhalten sich die Kritiker Höckes eher wie sein linksgrünes Pendant. Wie die andere Seite ein und derselben Medaille. Beide gleichermaßen fixiert von ihren Bezugspunkten, die sich stets auf Extremisten richten und also auch selbst nur Extremismus gebären. Ein Manko an Scham kompensieren sie durch Selbstüberhöhung. Der Frust über das Versagtbleiben vermeintlich als angebracht empfundener sozialer Anerkennung wird durch das Buchen eines Opferabos kompensiert.

Aber zurück zu Höcke:

Höcke und die Seinen reden gerne vom Eigenen. Das erinnert zwar fern an das von Max Stirner in „Der Einzige und sein Eigentum besprochene Eigene, doch es meint etwas gänzlich anderes. (*Etwas, das eigentl. gar kein Eigenes, sondern ein Fremdes ist). Höcke & Friends meinen mit dem „Eigenen“ weder ihre private Meinung, noch ihr eigen Hab und Gut. Auch ökonomsiche Stände oder die soziale Klassen sind nicht gemeint. Denn um nichts Geringeres als Das Deutsche Wesen selbst soll es gehen: Das kollektive Eigene aller Deutschen. Das, was die Milliardärserbin Suanne Klatten, geborene Quandt, Platz 38 der Forbes-Liste 2016, mit dem arbeitslos gewordenen Bergarbeiter aus dem Ruhrpott eint, den verarmten Ossi-Rentner mit gutbetuchten Polit-Pensionären aus dem Westen, die Nutte, die von ihrem Zuhälter durch die Gegend kutschiert wird, mit dem mehrfach Schwerstbehinderten, dem gerade der Fahrdienst gestrichen wurde, die promovierten Akademikerkinder mit den milieugeschädigten Prolo-Kids, die gerade ihren Hauptschulabschluss vergeigten. Es geht Höcke um das, was sie angeblich alle miteinander Verbindet: ihre Deutsche Identität. Dies meint sein auf die Gesamtgesellschaft ausgelagertes „Eigenes“. Und in der Konstitution eben dieses „Eigenen“, so kritisiert er in einem Duktus, der mitunter durchaus als hysterisch zu bezeichnen ist, würde der Erinnerung an deutsche Schandtaten eine zu große Bedeutung beigemessen.
Und weil es der Herr Höcke augenscheinlich gerne superlativ mag, ist ihm zur Illustration dieser Scham kein Beispiel groß genug. Für seinen Vortrag in der betulichen Ostprovinz hätte in puncto Schande zwar auch ein dezenter Hinweis auf die von ihren ostdeutschen Brüdern gemeuchelten Mauertoten sowie die in Stasiknästen gefolterten Opfer des DDR-Regiemes gereicht. Ebenfalls eine deutsche Schande. Ebenfalls mit Mahnmal  im Zentrum der Hauptstadt.


 *Gedenkstätte Berliner Mauer
 https://gruen-berlin.de/projekt/gedenkstaette-berliner-mauer

Aber nein, der Holocaust musste es sein. Nun denn. Er hat Holocaust gesagt. – „Jehova-Jehova“ – Und im gleichen Zusammenhang sogar noch das Wort „Schande“ angeführt. Das konnte nicht gut gehen. Ein Schelm, wer dabei nicht an eine wohlkalkulierte Provokation denkt.

Und so kam es, wie es schließlich kommen musste:

Presse wie Politik nutzen Höckes Rede, um wieder einmal reflexartig „Nazi, Nazi“ und „Holocaustleugner“ zu tröten, obwohl Höcke schlau genug war, wenigstens letzteres zu vermeiden. Im Gegenteil. Mehrfach bestätigte Höcke den Holocaust ausdrücklich.
Aber im Wahn der Selbstinszenierung geht sowas nur allzu leicht unter. Hier geht es allein darum, die kurze Zeitspanne, die die Sau durchs Dorf getrieben wird, zu nutzen, um ein Maximum an Aufmerksamkeit für die eigene Person zu generieren. Da heißt es möglichst laut im Chor der Berufsbetroffenen mitzuplärren, und tunlichst kritische Fragen zu vermeiden.
Wer hier den Fehler macht, sich mit faktischen Fragen an Höcke persönlich zu wenden, der wird vom linksgrünen Mainstream nicht etwa deshalb ausgezählt, weil er dem politischen Gegner im Rahmen einer Diskussion „ein Podium geboten hätte„, sondern darum, weil er damit allen Selbstinszenierern die Party crashen würde.

Simone Peter, Ralf Stegner und Matthias Meisner überschlagen sich in ihrem professionellen Aufgekreische. Und die Jungstuten des Attention-Whoring stimmen mit ein: Shahak Shapira, der unlängst sogar einen digitalen AfD-Weihnachtskalender erstellte, in dem er mitunter fälschliche Unterstellungen als Satire kaschierte und nun Werbung für ein spontanes Projektchen (eine Blogseite mit insg. 11 Abbildungen) macht, in welchem er Holocaustmahnmal-Touri-Fotos in solche von KZ-Opfern überblendet, kommt sogar im Öffentlich Rechtlichen.

Und wird, na klar, von keinem geringeren als dem Dönerfurz-Possenreißer Böhmermann verbreitet:

In Sachen Clickbaiting scheinen beide den gleichen Style zu verfolgen.
Interessant ist zudem, dass Shapira ebenso wie das aufmerksamkeitsbedürftige Frontschweinchen Lauer angibt, an einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung zu leiden. Vielleicht liegt seine vorschnell umgesetzte Projektidee also schlicht daran, dass er sein Ritalin nicht genommen hat? Ansonsten hätte er sich vielleicht etwas mehr mit der Materie beschäftigt. Dann nämlich wäre ihm aufgefallen, dass Architekt Peter Eisenman das Holocaust-Mahnmal durchaus bewusst plante. Dabei zog er sogar unterschiedlichste Möglichkeiten der Rezeption und Nutzung in Erwägung. Im Spiegel-Interview vom Mai 2005 mit dem Titel „Es ist kein heiliger Ort“ erklärt Eisenman:

„Menschen werden im dem Feld picknicken. Kinder werden in dem Feld Fangen spielen. Es wird Mannequins geben, die hier posieren, und es werden hier Filme gedreht werden. Ich kann mir gut vorstellen, wie eine Schießerei zwischen Spionen in dem Feld endet. Es ist kein heiliger Ort.“

Das jedoch scheint Shapira, der sich als freischaffender Werber (*ähnlich wie Scholz & Friends Gerald Hensel) aufs Marktschreierische versteht, nicht wirklich interessiert zu haben. Wenn es um Verkauf geht, wird der Inhalt zurechtgebogen, bis es eben passt. Und dafür hat er ein Händchen. Seine Botschaft wird von den Mainstream-Medien dankbar aufgesogen und wohlwollend ohne jedes Hinterfragen wiedergekäut bis zum Erbrechen.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen einen Ausdruck von Schuld?
Eisenman: Nein. Für mich ging es nicht um die Schuld. Wenn ich die Deutschen betrachte, habe ich nie das Gefühl, dass sie schuldig sind. Ich habe auch in den USA Antisemitismus erlebt. Natürlich nahm der Antisemitismus in Deutschland in den Dreißigern überhand, ein schrecklicher Moment in der Geschichte. Aber wie lange fühlt man sich schuldig? Können wir das hinter uns lassen?
Ich dachte immer, dass es beim Mahnmal um den Versuch ging, diese Schuldfrage zu überwinden. Jedes Mal, wenn ich hierher komme, dann fühle ich mich als Amerikaner. Aber wenn ich dann wieder abreise, fühle ich mich als Jude. Es kommt daher, dass die Deutschen, weil ich Jude bin, alles tun, damit ich mich wohl fühle. Und dadurch fühle ich mich schlecht. Ich kann damit nicht umgehen. Hören Sie auf, mir ein gutes Gefühl verschaffen zu wollen. Wenn Sie Antisemit sind, in Ordnung. Wenn Sie mich persönlich nicht leiden können, in Ordnung. Aber behandeln Sie mich als eigenständige Person, nicht als Juden. Ich hoffe, dass dieses Mahnmal, mit seiner Abwesenheit von Schuldzuweisung, dazu beiträgt, über diese Schuld hinweg zu kommen. Man kann nicht mit Schuld leben. Wenn Deutschland das täte, müsste das ganze Volk zum Therapeuten gehen.

*Peter Eisenman auf Spon vom 10.05.2005

Wirklich beißende Aufnahmen, wie die vom JUMA-Girlie Merve Dagg mit Knarre vorm Holocaustmahnmal (*JUMA = jung, msulimisch aktiv), hat Shapira in seinem Mini-Blögchen indes bewusst vermieden.

Beim Unterfangen, sich als politisch korrekte Broder-Alternative in Sachen „Lobbyjude“ der Nation (Broder: „Mein deutsches Tagebuch“, Shapira: „der deutscheste Jude der Welt“) anzudienen, hätte tatsächliche Kritik womöglich geschadet.


 *http://meedia.de/2014/09/22/lobbyjude-henryk-m-broder-sucht-geld-paten-fuer-autorenblog-die-achse-des-guten/

Aber zurück zum Thema, Shapira ist bei weitem nicht die einzige Aufmerksamkeitsbedürftige, die nun versucht aus der Höcke-Rede persönliches Kapital zu schlagen, ohne kapiert zu haben, worum es dabei überhaupt geht. Diverse Selbstinszenierungs-Start-Ups sind mit von der Partie. Sie alle nutzen die Gelegenheit, sich einmal mehr möglichst lautstark als AfD-kritisch zu platzieren. Denn sowas kommt in Mainstream-Medien gut an. Das geht dann sogar so weit, dass einige Blitzbirnen öffentlich fordern, Höcke müsse umgehend qua Parteiausschlussverfahren aus der AfD geschmissen werden, weil die Partei ansonsten – sollte das nicht geschehen – noch viel-viel unwählbarer sei, als es ohnehin schon die ganze Zeit beschrien wird.

 

Dass der Gesetzgeber für Parteiausschlüsse aus gutem Grunde extrem Hohe Hürden setzte, die mit solch einem Pillepalle ganz sicher nicht zu nehmen sind, interessiert dabei wenig. Und so möchte man den entsprechenden Damen und Herren gerne ein PartG um die Ohren hauen und rufen: „Komm mal runter Kinders! Wenn ihr schon keinen Bock habt, Euch mit der herrschenden Rechtslage zu beschäftigen, bevor ihr irgendwelche privatrechtlichen Eingriffe einfach nur deshalb fordert, weil es sich gut anhört, dann erinnert Euch doch bitte wenigstens an den Fall des Genossen Thilo Sarrazin und daran, weshalb er nicht aus der SPD geflogen ist!
Na, klickerts da? Vermutlich nicht.

Ach, apropos erinnern:
Das ganze Aufgekreische erinnert mich unangenehm an den Vorfall mit Akif Pirinçcis Ekel-Rede bei Pegida. Auch da setzte eine reizwortbedingte Empörungswelle etlicher Qualitätsmedien ein: Von einer „KZ-Rede“ wurde berichtet und Anzeigen wegen Volksverhetzung wurden gestellt. Das Resultat von der Geschichte wurde dann medial lieber nicht mehr so hochgekocht, denn für die meisten Mainstream-Medien fiel es einigermaßen peinlich aus:

„Das ZDF, die Südwest Presse und das „Schwäbische Tagblatt“ haben nach Angaben von Anwälten Unterlassungserklärungen schon unterzeichnet. Der NDR hat für eine frühere Version seines Beitrags um Entschuldigung gebeten. Die „Kieler Nachrichten“, die „Hannoversche Allgemeine“ und Spiegel Online haben Widerrufe und Richtigstellungen veröffentlicht. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier hat, obwohl politisch linksorientiert, die Berichterstattung über Pirinçcis Worte in Dresden „fast flächendeckend irreführend oder falsch“ genannt, darunter die aller wichtigen „Leitmedien“. Er hat sie als „Versagen“ und als „Armutszeugnis für die deutsche Medienlandschaft“ bezeichnet, was Nahrung liefere für die Lügenpresse-Vorwürfe.

http://ef-magazin.de/2015/11/09/7899-fall-pirinci-die-luegenpresse-muss-zurueckrudern

Nun dürfen wir gespannt darauf sein, wie es im aktuellen Fall Höckes weitergeht. Auch hier wurden angeblich schon diverse Anzeigen gegen Höcke gestellt. Und auch hier hat der Beklagte angekündigt, qua Anwalt gegen falsche Bezichtigungen vorzugehen. Meiner amateurhaften Einschätzung nach dürfte er, sofern er tatsächlich alle vor den Kadi zieht, die ihn bspw. der Holocaustleugnung bezichtigten, ein hübsches Sümmchen an Schmerzensgeld einstreichen.

Wie der Presse zu entnehmen ist, stellte Dieter Dehm, Bundestagsabgeordneter der Linkspartei Strafanzeige gegen Höcke. Warum genau ist dem Beitrag in der Welt leider nicht zu entnehmen. Vielleicht ja nur deshalb, weil sich so etwas immer gut als Schlagzeile macht?
Immerhin ist hierzulande allein die Nachricht einer Anzeige wegen „Holocaustleugnung“ oder „Volksverhetzungderart niederschmetternd, dass dies schon zur Berichterstattung taugt und sich kaum noch jemand getraut nachzufragen, ob die Sache überhaupt irgendeine Substanz hat. Das wiederum erinnert an Ken Jebsen, einen augenscheinlich guten Bekannten Dehms.

http://www.tagesspiegel.de/politik/friedensmahnwachen-rechte-linke-verschwoerungtheoretiker-die-neue-querfront/11165150.html

Jebsen wirft man noch heute vor, dass er den Holocaust geleugnet hätte, obwohl das de facto nie der Fall war. Das jedoch ist den Heulbojen, die solche Vorwürfe äußern, herzlich egal. Und ebenso egal scheint es ihnen zu sein, dass Jebsen ihre Anwürfe auch öffentlich leicht widerlegen kann. Dass er sich jedoch bezüglich seiner Äußerungen rechtlich verbrieft den Vorwurf des Antisemitismus durchaus gefallen lassen muss, gerät im emotionsgesteuerten Spiel der Aufmerksamkeitsökonomie aus dem Blickfeld.

Die Folge ist, dass Jebsen in der öffentlichen Wahrnehmung mittlerweile durchaus als reputiert gilt, obwohl es nicht ganz so hochgestapelt tatsächlich berechtigte Kritikpunkte gäbe.

Und, zum Thema berechtigte Kritikpunkte:
Als Beispiele dafür, dass es auch andsers als kreischend geht, hier exemplarisch 3 kritische Ansätze, die ich für gelungene und also gangbar halte. Mit dabei, auch wenn ich seine sonstigen Positionen ganz gewiss nicht teile, ein Beitrag von Sascha Lobo. Hier hat er ausnahmsweise eine recht sachliche Arbeit abgeliefert.

1:) „AfD und Neonazismus
*von Lucas Schoppe
https://man-tau.com/2017/01/19/afd-und-neonazismus/

2.) „Björn Höcke in Dresden – Schauen Sie diese Rede
*von Sascha Lobo
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/bjoern-hoecke-rede-offenbart-gesinnung-kolumne-von-sascha-lobo-a-1130551.html

3.) Erinnerungskultur – Höcke, Augstein und das „Denkmal der Schande“
*von Stefan Niggermeier
http://uebermedien.de/11997/hoecke-augstein-und-das-denkmal-der-schande/

Abschließend, falls sich nach all dem ausschweifenden Laberrhabarber noch jemand für meine persönliche Haltung in dieser Angelegenheit interessieren sollte:

Mir ging es nicht darum, die Rede Höckes zu verteidigen. Seine völkische Denke ist mir zuwider. Seine Idee vom „Eigenen“ entspricht nicht der meinen. Ich halte sie für entfremdet. Dennoch oder gerade deshalb finde ich es wichtig, Vorfälle wie seine aktuelle Rede und die sich daraus entspinnende Diskussion nüchtern zu betrachten und sich inhaltlich mit dem, was Er & die Seinen von sich geben auseinanderzusetzen. Alles andere halte ich für höchstgradig kontraproduktiv.

Wir leben in einer Demokratie. Darum muss auch eine öffentlich geführte Diskussion darüber, wie man mit den Schandtaten der jüngeren und jüngsten deutschen Geschichte umzugehen gedenkt möglich sein, ohne das Liberale, Konservative und Rechte von der Teilnahme ausgeschlossen werden. Beiträge im Stile von „Alles Nazis außer Mutti“ haben in dieser Debatte ebensowenig verloren, wie solche, die in wüstem Rassismus, Antisemitismus, Whatever-Ismus ausufern.

Zum konkreten Thema erlaube ich mir aktuell keine sonderlich dezidierte Meinung zu haben, auch deshalb, weil ich das Thema aktuell als nicht wirklich wichtig empfinde. Den Leidensdruck, den Höcke + Kameraden diesbezüglich zu empfinden scheinen, erlebe ich nicht. Tendenziell geht es bei mir jedoch eher in Richtung mehr Gedenken als weniger; – auch, weil ich der simplen Auffassung bin, das nur aus der Anerkennung eigener Fehler (*.. ums mal etw. pathetisch zu formulieren) wahre Stärke erwachsen kann.

Eine quasi Sippenhaft für sämtliche AfD-Mitglieder lehne ich ab. Denn politische Parteien betrachte ich als Zweckverbände zur gemeinsamen Durchsetzung politischer Ziele, die sich aus unterschiedlichsten Mitgliedern zusammensetzen. Diesbezüglich sehe ich die AfD nicht so komplett am rechten Rand, wie es manch pöbelnder SPD-Genosse nun gerne hätte. Meiner Einschätzung nach rangiert der „Höcke-Flügel“ aktuell bei maximal 15 % innerhalb der AfD. Um Höcke ins Spitzenteam zur Bundestagswahl zu pushen hat es ganz offensichtlich nicht gereicht. Und so versucht er nun als Provinzfürst um die Aufmerksamkeit des Pegida-Spektrums zu buhlen, was m.E. keine wirkliche Perspektive hat.

Zu Höckes Rede konkret möchte ich hier, auch da anderweitig schon etliche Kritik geäußert wurde, nur einen Punkt anbringen, der m.E. bisher keine Beachtung fand:
Die Bezeichnung „Denkmal der Schande“ (*bzw. Mahnmal..) finde ich nicht verkehrt. Denn, der Holocaust ist tatsächlich nicht nur irgendeine Schande, sondern DIE deutsche Schande des 20. Jahrhunderts. Insofern ist auch die Bezeichnung durchaus treffend. Daran sollte es m.E. nichts zu deuteln geben.
Wirklich kritisch wird es u.a. dort, wo Höcke anprangert „Bis heute sind wir nicht in der Lage, unsere eigenen Opfer zu betrauern.“ und damit bewusst die deutschen jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aus dem von ihm beschriebenen Eigenen separiert, in bester Manier völkischer Nazi-Denke aus dem Volkskörper heraustrennt, als wären dies nicht „unsere eigenen Opfer“:

In Höckes „Deutsches Eigenes“ gehören keine Juden. Punktum.

Theodor Lessing, Sharlotte Salomon, Felix Nussbaum, die Frau Max Liebermanns und unzählige weniger prominente deutsche Juden: Sie alle finden im von Höcke beschworenem Betrauern „eigener Opfer“ keinen Platz.

Und die zehntauseden jüdischen Soldaten, die begeistert für Deutschland in den ersten Weltkrieg zogen und von denen später viele im Holocaust ermordet wurden, gehören auch nicht dazu.

Titelseite der „Juedischen Rundschau“ vom 7.August 1914 anlässlich der Verhänngung des Kriegszustandes 07.08.1914
Titelblatt der „Juedischen Rundschau“ vom 7. August 1914 rief die deutschen Juden zum freiwilligen Kriegseinsatz auf: „Wir erwarten, daß unsere Jugend freudigen Herzens freiwillig zu den Fahnen eilt.“

Hier offenbart sich klar artikulierter Antisemitismus völkischer Prägung, der an die Denke der Nationalsozialisten quasi nahtlos anschließt. Unterstützt wird dieser Brückenschlag in die unrühmlichste deutsche Vergangenheit durch Höckes Performance, die zuweilen den Eindruck vermittelt, er hätte sich von prominenten Rednern des 3. Reiches inspirieren lassen.

Ansonsten noch ein inhaltlicher Hinweis, den ich bei fefe fand:

Höckes Aussage, wir wären das einzige Land, dass sich ein zentrales Mahnmal der Schande leistet, scheint so nicht ganz zu stimmen:

MLK Memorial in Washington
https://www.nps.gov/mlkm/index.htm

Gandhi Statue auf dem Parliament Square, London
https://www.gandhistatue.org/

Humble Memorials for Stalin’s Victims in Moscow
http://www.newyorker.com/news/news-desk/humble-memorials-stalins-victims-moscow

auch interessant: Gulag Memorial
http://www.gulag.memorial.de/3ueber_memorial.html

Fazit:
In der Hitliste meines wie von Höcke bestimmt als kollektiv wahrgenommenem „Eigenen“ teilen Höcke & Co. zusammen mit verblendeten Linksideologen, diversen SJW-Aufkreischer*X-innen sowie religiotischen Islam-Identitären die letzten Ränge.
In ehrlicher Betrachtung lässt sich die Kenntnisnahme ihrer Anwesenheit leider nicht vermeiden, doch sie sind mir in unserem Gemeinwesen, dass ich gerne als eine Offene Gesellschaft betrachte, so willkommen wie Fußpilz. Und untrennbar verbunden mit dem Wissen um ihre Existenz ist die stetige Hoffnung, dass man sie dereinst allesamt durch die Medikation von etwas Aufklärung endlich loswerden kann.

7 thoughts on “Heul-Höcke auf Mimimi-Tour in den Ost-Provinzen

    • pip Autor des BeitragesAntworten

      danke.. da werd‘ ich vor Ergriffenheit doch gleich zum Heul-pip .. *snief ^^

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