Nazi-Russen verübten einen Überfall auf die freie Presse. Und das nicht etwa in Moskau, sondern – unverfroren – mitten im Herzen Deutschlands:

Das ist der Stoff, aus dem Schlagzeilen wie Kruppstahl geschmiedet werden!

Da verwundert es wenig, dass schon kurz nach dem Vorfall die berichterstattenden Herolde der freien Welt nicht nur rotieren, sondern geradezu hysterisch hyperventilieren. Doch, was war geschehen?

Ein freiberuflicher youtube-Journalist namens Graham Phillips, dessen durchschnittliche Aufrufrate der Videos sich im unteren vierstelligen Bereich bewegen, stattete der gemeinnützigen Journalismus GmbH correctiv.org einen unangemeldeten Besuch ab. Seinen youtube-Kanal betreibt er unter seinem Namen. In der Vergangenheit hat Phillips für den russischen Medienkanal RT recherchiert.

Correctiv.org wurde 2014 mit einer Anschubfinanzierung der Essener Brost-Stiftung in Höhe von 3 Millionen Euro aus der Traufe gehoben. Weitere Förderer von correctiv.org sind u.a. die Rudolf Augstein Stiftung, die Bundeszentrale für politische Bildung, die Schöpflin-Stiftung und die niederländische Adessium Foundation. Der Netzseite von correctiv.org ist zudem zu entnehmen, dass man Mitglied im „Global investigation Journalism Network“ ist. Das Ganze ist also kein Kindergarten-Medienverein, sondern recht hoch angebunden und sehr gut vernetzt.

Begleitet wurde Phillips bei seinem Überraschungsbesuch von Billy Six, einem ebenfalls freien Journalisten, der in der Vergangenheit für die rechts-konservative „Junge Freiheit“ als Syrien-Reporter berichtet hatte und im Zuge seiner dortigen Recherchen mehrere Monate in die Gefangenschaft der syrischen Regierung geraten war.

Graham Phillips zog also etwas aufgeregt seine Troll-Aktion durch. Wie seinem eigenen Videomitschnitt zu entnehmen ist, hatte er vermutlich von vorn herein nicht die Erwartung, dass ihm irgendwelche Fragen beantwortet würden. Er tritt von Anfang an recht fordernd auf, und verlangt einen für die Recherche in Sachen MH17-Absturz zuständigen Redakteur zu sprechen. Als dieser nicht erreichbar ist, legt er mit Fragen wie „Why do you lie, why are you the Lügenpresse..“ usw. los.
Billy Six hält sich die ganze Zeit schweigsam und im Hintergrund. Und so werden sie auch recht zügig wieder hinauskomplimentiert. Insgesamt dauert die ganze Aktion von Ankommen und Haus betreten bis wieder davorstehen keine 8 Minuten. Dabei wird es weder handgreiflich noch auffällig laut. Ein recht kurzes Stelldichein, dass nur wenig später seinen Weg auf den Youtube-Kanal von Phillips findet:

So weit zum Plot, der meines Erachtens derart simpel gestickt ist, dass er keinen Grund zu weiterer medialen Beachtung hätte liefern dürfen. Zu den möglicherweise zweifelhaften correctiv-Recherchen bezüglich des MH17-Vorfalls erfahren wir dabei ebenso wenig, wie zu den Beweggründen von Graham Phillips selbst. Das vorgebliche Thema spielte keine Rolle. Was bleibt ist die Dokumentation eines unangemeldeten Besuchs samt gekünsteltem Mini-Aufreger in einem augenscheinlich sehr angenehm ausgestatteten Büro arbeitsamer junger Menschen. So what?!?

Doch, wie eingangs schon angedeutet, birgt der Plot durchaus das Potenzial zu Größerem. Zwar haben wir ähnliche Aktionen – so oder etwas anders – medial schon hundertfach frei Haus geliefert bekommen, aber da sich hier mit nur etwas Fantasie ein ganz formidabler „Gut gegen Böse„-Aufhänger kreieren lässt, kann man den kleinen Vorfall zu einer regelrechten Story aufblasen.

Hierzu bedient man sich schlicht des unerschütterlichen Korpsgeistes rechtschaffender MedienmacherInnen und ruft einen Angriff auf die freie Presse aus. Da sind dann keine Worte zu milde: von Angriff, Überfall und Bedrohung wird später zu lesen sein. Es ist Sommerloch. Und so werden Kraft der ungeheuerlichen Buchstabensuppe Überschriften generiert, die einen erschaudern lassen:
Wer hier das Potenzial zum Aufreger des Tages verpennt und stattdessen aufgeklärte Distanz walten lässt, hat verloren. Denn aktuell ist sonst leider nichts los in der Welt, über dass sich engagiert berichten ließe.

Also wird Werbung für Graham Phillips gemacht, was das Zeug hält. „Don’t feed the Troll“ war gestern.
Warum auch nicht, wenn letztendlich alle etwas davon haben? Die einen erhalten Gelegenheit, sich einmal mehr als charakterstarke MedienmacherInnen ohne Furcht und Tadel zu produzieren. Der andere bekommt ein paar Klicks mehr für seinen youtube-Kanal.

Und, so entpuppt sich als eigentliches Thema dieses kleinen Intermezzos nicht der Vorfall selbst, sondern die mediale Berichterstattung über eben diesen:

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